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Als wir tanzten

ein Film von Levan Akin.
Merab ist Student an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis. Sein größter Traum ist es, professioneller Tänzer zu werden. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen ernstzunehmenden Rivalen auf den ersehnten Platz im festen Ensemble.

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Als wir tanztenAus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule, in der konservative Vorstellungen von Männlichkeit hochgehalten werden, wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten.
Das mitreißende Liebes- und Tanzdrama des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet, unter anderem in vier Kategorien beim Schwedischen Filmpreis Guldbaggen. Der Queer-Feindlichkeit, die in Georgien erschreckend weit verbreitet ist, hält der Regisseur, dessen Familie selbst aus dem Land stammt, eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Hauptdarsteller Levan Gelbakhiani, einer der European Shooting Stars der Berlinale 2020, wurde für sein ergreifendes Spiel mit Preisen überhäuft und war für den Europäischen Filmpreis nominiert.

 

Datum: 13. November - 20.00 Uhr
Eintritt: 5 Euro

Hier gehts zur Filmwebsite: Als wir tanzten

Director’s Statement
In Georgien gibt es drei Dinge, die als Inbegriff der Tradition und der nationalen Identität hochgehalten werden: die Kirche, der traditionelle mehrstimmige Gesang und der traditionelle Nationaltanz.

Der Hauptdarsteller meines Films trägt den gleichen Namen wie ich, sein Name ist Levan und er ist Tänzer. Auch ich habe früher getanzt – und mir vorgestellt, in einem Paralleluniversum er zu sein. Ich habe viele Tänzer interviewt und sie haben mir alle erzählt, wie konservativ und streng die georgische Tanzszene in Bezug auf Geschlechtervorstellungen ist. Also habe ich mich dazu entschlossen, die Story in diesem Umfeld anzusiedeln. Der georgische Nationaltanz sollte für das Alte stehen, die aufkeimende Liebe zwischen den beiden Tänzern für das Neue.

Mit diesem Film habe ich mich zurück zu meinen Wurzeln als Filmemacher begeben, d.h. ich habe auf ganz ursprüngliche Weise gearbeitet. Das echte Leben der Leute, die im Film zu sehen sind, und die aktuellen Geschehnisse in Georgien haben die Geschichte unmittelbar beeinflusst. Und diese entwickelt sich immer weiter. Im engeren Sinne erzählt der Film die Geschichte von jungen queeren Menschen und von deren Schwierigkeiten, aber in einem größeren Rahmen auch von der Historie und der heutigen Lage des Landes. Der Film wird vielen Leuten einen sehr interessanten Einblick in einen Teil der Welt bieten, den sie nicht kennen. Und es ist ein aufrichtiger Film über die Bedeutung frei zu sein.

Eine Filmkritik
von Joachim Kurz

Zwischen Tradition und Aufbruch

In vielen Ländern Osteuropas ist die Lage für Homosexuelle nach wie vor äußerst schwierig und hat sich in einzelnen Ländern wie Polen noch verschärft. Levan Akins wunderschönes queeres Coming-of-age-Drama „Als wir tanzten“ packt die Schilderung der schwierigen Lebensverhältnisse in eine bittersüße Liebesgeschichte, die auf sinnlich-poetische Weise zeigt, was es heißt, ein Coming-out unter homphoben gesellschaftlichen Verhältnissen zu durchleben.

Als wir tanzten spielt im Milieu der Tanzakademie des Georgischen Nationalballetts, wo Merab (großartig: Levan Glbakhiani) gemeinsam mit seinem älteren Bruder David studiert, letzter aber hat es nicht so mit der erforderlichen Disziplin und steht deshalb kurz vor dem Rauswurf aus der Klasse. Merab hat Großes vor, sein Traum ist es, später einmal als Ensemblemitglied in der Compagnie zu tanzen — und eigentlich wären seine Aussichten auf einen Platz auch gar nicht so schlecht, wäre da nicht die Sache mit seiner eher schmächtigen Statur und der mangelnden virilen Ausstrahlung, die sein Professor gerne ausgiebig kritisiert. Mit seiner Tanzpartnerin Mary (Ana Javakishvili), die er schon seit Ewigkeiten kennt, verbindet Merab mehr als nur eine Freundschaft. Doch dann kommt der selbstgewisse und fasziniernde Irakli (Bachi Valishvili) neu in die Klasse — und mit ihm erwächst Merab ein harter Konkurrent. Doch nicht nur das: Die Rivalität der beiden jungen Männer schlägt irgendwann in Begehren um. Dies und die entstehende Liebe zwischen ihnen findet aber im homophoben Umfeld der georgischen Gesellschaft keinen Platz und darf nicht sein. Denn wie Merab aus eigener Erfahrung und dem Beispiel eines anderen Tänzers weiß, kann ein Outing als Homosexueller die sofortige Suspendierung und damit das Ende seines Lebenstraums bedeuten.

Der Spielfilm des aus Georgien stammenden, aber in Schweden lebenden Regisseurs Levan Akin sorgte nicht nur bei seiner Premiere beim Filmfestival in Cannes für Aufsehen, sondern schlug auch zuhause hohe Wellen. Und das nicht erst bei seiner Erstaufführung in Tiflis, wo es zu homophoben Ausschreitungen kam, sondern auch bereits im Vorfeld während des Drehs, der teilweise an geheimen Orten stattfand, um möglichen Übergriffen zu entgehen.

Wenn Merab tanzt, dann rückt ihm die Kamera ganz nah auf den Leib, erfasst sein Gesicht und lässt es nicht mehr los. Auf diese Weise offenbart sich dem Publikum ohne große Erklärungen, aber mit großer Überzeugungskraft sein Ehrgeiz, sein eiserner Wille und die Verbissenheit gepaart mit gleichzeitiger Leichtigkeit, mit der der junge Mann versucht, seinen Lebenstraum in Erfüllung gehen zu lassen. Während man seiner Partnerin Mary vor allem die über viele Jahre erarbeitete Routine der täglich einstudierten Bewegungsläufe ansieht, bemerkt man sofort, dass Merab noch etwas ganz anderes hat — das vielleicht den Unterschied zwischen guten Tänzer*innen und herausragenden ausmacht: Leidenschaft.

Und so kontrastiert der Film die eigentlich sich ergänzenden Leidenschaften des Tanzes und der Liebe, die hier qua gesellschaftlicher Konvention und Moral nicht zur Deckung kommen können. Zugleich wirft der Film bei aller Sinnlichkeit auch einen scharf analysierenden Blick auf Männerbilder und Männlichkeitskonstruktionen in einer rigiden Gesellschaft und zeigt eine junge Generation, die sich im Zwiespalt zwischen den Überlieferungen (hier in Form des sehr speziellen georgischen Tanzes, der Elemente aus Ballett und Volkstanz auf sehr eigentümliche Weise zusammenbringt) und einem globalen Aufbruch in die Moderne äußert, zwischen konstruierter nationaler Identität und einem universellen Lebensgefühl. Es ist, das zeigt Als wir tanzten deutlich, ein Spagat, den es auszuhalten gilt. Oder man zerbricht daran.

Hintergrund
Homophobe Proteste bei der Georgien-Premiere

Vom 8. bis 10. November 2019 wurde „Als wir tanzten“, der erste offen queere Film aus Georgien, erstmals in jenem Land gezeigt, in dem er spielt. Die 5.000 verfügbaren Tickets für die Vorführungen in fünf Kinos in der georgischen Hauptstadt Tiflis und der zweitgrößten Stadt Batumi am Schwarzen Meer waren innerhalb von 13 Minuten ausverkauft – und das obwohl die Georgische Orthodoxe Kirche sowie einige rechtsextreme Gruppen den Film bereits im Vorfeld der Premiere öffentlich verurteilt und angekündigt hatten, die Kinobesucher*innen vom Eintritt in den Kinosaal abhalten zu wollen. Die Kirche
bezeichnete den Film in einer offiziellen Stellungnahme als „Popularisierung von Sodomitenbeziehungen“ und als „großen Angriff auf die Kirche und die nationalen Werte“. Die rechtsextreme Gruppe „Georgian March“ hatte in einer Pressekonferenz mitgeteilt, einen „Korridor der Schande“ bilden zu wollen. Das Innenministerium hatte derweil angekündigt, Meinungsfreiheit und die Sicherheit der Kinobesucher durchzusetzen.

Am Tag der nationalen Uraufführung versammelten sich in Tiflis bereits Stunden vor Filmbeginn hunderte nationalistische und orthodoxe Protestler, darunter auch einige Priester. Sie hielten homofeindliche Reden, verbrannten eine Regenbogenflagge und zeigten Plakate wie „Stoppt LGBT-Propaganda
in Georgien“ und „Homosexualität ist Sünde und Krankheit“. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte, die Vorführungen zu sichern. Als der aufgebrachte Mob immer aggressiver gegen die Kinobesucher vorging und mehrfach versuchte, gewaltsam in das Kino einzudringen, und die Polizei schließlich mit Feuerwerkskörpern attackierte, mussten zusätzliche Einsatzkräfte hinzugezogen werden, um die Veranstaltung zu sichern. Auch in Batumi konnte die Vorführung am 8. November nur unter Polizeischutz stattfinden. Rund hundert Gegendemonstranten warfen Eier auf die Eingangstür, auf Besucher und Polizisten. Laut eigenen Angaben nahm die Polizei an jenem Tag 28 Personen in Tiflis und Batumi fest, darunter auch eine Person, die die bekannte georgische LGBTIQ*-Aktivistin Ana Subeliani angegriffen hatte. Subeliani musste ins Krankenhaus eingeliefert werden und erhob später den Vorwurf, die Polizei habe nicht genug für ihren und den Schutz der anderen Besucher*innen getan.

Obwohl homosexuelle Handlungen in Georgien legal sind, schlägt der queeren Community in der Kaukasus-Republik immer wieder öffentlich Hass entgegen. So konnte in Tiflis im Juli 2018 zwar der erste Christopher Street Day des Landes stattfinden – allerdings gab es im Vorfeld massive Gewaltandrohungen von Homo-Hassern gegen queere Verbände. Letztlich konnte der Pride March nur in einem sehr begrenzten Rahmen als kleine Demonstration vor dem Innenministerium stattfinden, während rechte Gruppen in großer Zahl in der Innenstadt gegen LGBTIQ*-Rechte demonstrierten. Bis 2019 hatte die queere Szene in Tiflis aus Sicherheitsgründen keinen CSD gewagt, weil es zuvor immer wieder zu homophoben Attacken in aller Öffentlichkeit kam. So griff etwa am 17. Mai 2013 eine aufgebrachte Menge einen Bus mit LGBTIQ*-Aktivisten an, die gerade auf dem Weg zu einer Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie waren. Damals wurden rund 20 Personen verletzt.

Die in Georgien weit verbreitete Homophobie und die damit verbundene Verbannung von allem, was nicht der Heteronorm entspricht, steht in einem engen Zusammenhang mit dem Einfluss der Georgischen Orthodoxen Kirche. Die Kirche und deren patriarchales Männlichkeitsideal genießen noch immer ein großes Ansehen in der georgischen Gesellschaft. Lewan Berianidze, Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Equality Now, die sich für die Rechte von LGBTIQ* einsetzt, sieht die orthodoxe Kirche – die besonders seit Anfang der 1990er Jahre den Menschen Halt und Orientierung bot und damit ein Vakuum füllte, das mit dem Ende des Kommunismus und dem Wegbrechen von Autoritäten entstanden war – als größten Gegner im Kampf für mehr Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten.
Quelle: Jungle World

Der georgische Nationaltanz

Insgesamt gibt es 16 verschiedene Arten des traditionellen georgischen Tanzes. Die Tänze gehen auf Festtags-Feierlichkeiten zurück, die bereits im Mittelalter entstanden sind, aber auch auf Sportspiele und militärische Bewegungsabläufe. Alle Tanzarten verbindet eine Feier des „Geistes der Nation“ – vom Kartuli-Hochzeitstanz, der zeigt, dass die ehrfürchtigen, ritterlichen Männer selbst in der Liebe ihre Gefühle kontrollieren müssen, indem sie die Frauen nicht berühren und eine respektvolle Distanz zu ihren anmutigen Tanzpartnerinnen halten, bis zum Khorumi-Kriegstanz, der Kraft, Kampfeslust, den Mut und die Ehre der georgischen Soldaten evoziert und den erbitterten Widerstand der Georgier gegen die unterschiedlichen Eroberer vermittelt.

„Im georgischen Tanz gibt es keine Sexualität“, erklärt der Tanzlehrer Aleko seinen Schüler*innen in „Als wir tanzten“. Die Blicke der Frauen sollten „Reinheit ausstrahlen“ und „jungfräuliche Unschuld“ zum Ausdruck bringen; die Männer sollten sich derweil „gerade wie ein Nagel“ halten. „Der georgische Tanz basiert auf Männlichkeit“, bekommt Merab zu hören, und: „Im georgischen Tanz gibt es keinen Platz für Schwäche.“ Damit rekurriert Aleko auf eine Verfestigung der Rollenbilder im georgischen Tanz, deren Ursprung in den 1940er und 1950er Jahren liegt, jener Ära der georgischen Volkstanz-Choreografie, in welcher die heute populären Ensembles gegründet wurden. Das bekannteste ist das Nationalensemble Sukhishvili, 1945 gegründet von Iliko Sukhishvili und seiner Frau Nino Ramishvili. Das Nationalensemble Sukhishvili tourte u.a. 1948 durch Finnland und Rumänien; 1967 trat es – als erste Folklore-Gruppe überhaupt – in der Mailänder Scala auf. Bis heute hat es im Rahmen von mehr als 200 Tourneen in über 1.700 Städten und 88 verschiedenen Ländern gastiert, selbst in der Londoner Royal Albert Hall und in der New Yorker Metropolitan Opera – und damit das heute bekannte Bild vom georgischen Nationaltanz entscheidend geprägt.

Dabei ist von Sukhishvili und Ramishvili auch folgender Satz überliefert: „Der Volkstanz ist kein Museumsstück und kein Artefakt. Er ist eine lebendige, stets in Erneuerung begriffene Struktur, der Lebenssaft, das Leben selbst . Hierin deutet sich an, dass auch die klassischen Rollenbilder des georgischen Tanzes trotz aller Traditionen nicht starr bleiben müssten. Tatsächlich hat sich in manchen modernen Ensembles die klare Trennung bei den Geschlechterdarstellungen bereits teilweise aufgelöst, z.B. indem Tänzerinnen in den klassischen Kostümen der Männer auftreten. Dass sich diese liberale Tendenz derweil noch nicht in Hinblick auf queere Sichtbarkeit durchgesetzt hat – insbesondere nicht bei den altehrwürdigen Ensembles –, lässt sich im Interview mit Levan Akin im Presseheft nachlesen. Die heutige georgische Tanzszene sei nach wie vor sehr heteronormativ und von toxischer Maskulinität durchdrungen, erklärt Akin auf Nachfrage weiter. Mit der Figur Merab, der im Laufe des Films zu seinem ganz individuellen tänzerischen Ausdruck findet und dennoch fest in der Tradition des georgischen Tanzes verwurzelt bleibt, hält „Als wir tanzten“ dieser konservativen Haltung ein kämpferisches und lustvolles Statement entgegen.

 

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  • Datum:: 13. Nov. - 20.00 Uhr